Freie Atmung

Verschiedene Faktoren bestimmen darüber, ob unsere Bullys frei atmen können oder später mal Probleme haben werden.

Zu nennen sind hier:

-         die Größe der Öffnung im Schädelknochen für die Nase

-         Übermäßiges Wachstum der Nasenmuscheln und deren Lamellen

-         Damit zusammenhängend die Verlagerung der Nasengänge in den Rachenraum

-         Zu enger, kurzer Rachenraum

-         Zu dickes und/oder zu langes Gaumensegel

-         Zu enge Nasenlöcher

-         Zu enge, kleine Luftröhre

-         Länge der Nase

 

Sicherlich ist eine längere Nase von Vorteil, aber eine lange Nase allein, macht noch keinen freiatmenden Hund. Dies wird leider fälschlicher Weise immer wieder angenommen.

Es ist die Gesamtheit der Faktoren, die stimmen muss. Und hierfür ist maßgeblich die verantwortungsvolle Auswahl der Elterntiere ausschlaggebend.

Lassen Sie sich von keinem Züchter sagen, Schnarchen oder Atemgeräusche allgemein wären beim Bully normal. So ist es nicht! Es ist durchaus möglich, bei guter Auswahl, Bullys zu züchten, die unter normaler Belastung und sportlicher Aktivität weiterhin gut atmen können. Es braucht halt nur einiges an Engagement.

 

Die Nase der Bullys wurde über die Jahrzehnte immer weiter zurück gezüchtet, ohne dabei darauf zu achten, ausreichend große Öffnungen im Schädel zu haben. Denn, wo sollen denn Knorpelgewebe und Schleimhäute hin? Diese deformieren im inneren der Nase, stauen sich quasi zieharmonikaartig zusammen und verengen zusätzlich diese Schädelöffnung unter Umständen drängen sie sogar bis in den Rachenraum hinein.

Durch die Rückzüchtung ist es leider auch zu einem vermehrten Wachstum der Nasenmuscheln und deren Lamellen gekommen, was zusätzlich in diesem nur noch engen Raum für schlichten Platzmangel sorgt. Die Räume für das Durchströmen der Atemluft sind manchmal extrem eingeengt und eine permanente Atemnot ist die Folge.

Nicht zuletzt haben wir das Gaumensegel und die Nasenflügel. Das Gaumensegel ist oft zu lang, teilweise auch einfach schlaff, da Bullys leider auch zu einer allgemeinen Bindegewebsschwäche neigen.

Und die Nasenflügel sind oft nicht mehr richtig rund geöffnet und können sogar wie ein Ventil die Nasenamtung unmöglich machen. Die Flügel klappen beim Einatmen im Extremfall nach innen und verschließen die Nase. Da reden wir dann von einer sogenannten Ventilnase.

 

Verantwortungsvolle Zucht kann all diese Probleme verringern und auch weitestgehend vermeiden. Sicherlich wird ein Bully selten auf eine Art freiatmend sein, wie z.B. ein Schäferhund. Aber ein gut gezüchteter Bully bleibt bei Ruhe, bei normaler Belastung wie z.B. Spazieren gehen und bei moderater sportlicher Aktivität nahezu geräuschlos.

Bei ausgedehntem Sport oder auch großer Aufregung kann es durchaus zu lauteren Atemgeräuschen kommen, dies muss noch nicht krankhaft sein. Aber im Idealfall kann ein Bully hecheln, ohne dabei zu „grunzen“.

 

Bei einem Welpen ist es unmöglich voraus zu sagen, ob er freiatmend sein wird oder nicht. Im Wachstum ändert sich noch so viel und er wird mal frei atmen und mal vielleicht Zeiten haben, wo er ein wenig Geräusche macht. Macht er jedoch auch mit 1,5 oder 2 Jahren noch immer deutliche Geräusche, dann ist anzunehmen, dass er ein ernsthaftes Problem hat.

Hier ist der Gang zum Tierarzt angesagt und eine gründliche Untersuchung.

Viele Ärzte raten schnell zu einer OP der Nasenflügel und des Gaumensegels. Damit kann auch schon gut geholfen sein… muss aber nicht.

Sind, wie oben schon beschrieben, auch die Nasenmuscheln verengt, wird der Hund nach Öffnung der Nasenlöcher und nach Straffung des Gaumensegels weiterhin Probleme haben. Hier lohnt sich eine Untersuchung im CT um das Innere der Nase darzustellen. Es gibt mittlerweile eine Methode um diese Gänge zu weiten und damit ist dann wirklich sehr gut geholfen.

 

Aber um es noch einmal deutlich zu sagen, die OP sollte eine Notlösung sein.

In aller erster Linie kommt es darauf an, einen verantwortungsvollen Züchter mit freiatmenden Elterntieren zu finden, um dann ein Baby zu kaufen, welches diese Anlagen hoffentlich geerbt hat. Hoffentlich, weil der Züchter zwar mit guter Auswahl bestmögliche Voraussetzungen für fröhliche und gesunde Welpen schaffen kann, es aber in der Natur des äußeren Erscheinungsbildes unserer Bullys liegt, dass eventuell doch Probleme auftreten können. Die Natur hat da ja noch ein Wörtchen mitzureden.

 

Monja Balzer


Der Bully und die Freie Atmung

 

Um die Komplexität dieses Problems, der eben NICHT freien Atmung, zu verstehen, sollten wir uns erst einmal die Atemwege eines gesunden Hundes vorstellen. Allerdings etwas vereinfacht, aber mit dem Wichtigsten enthalten.


Wir haben die knuffige runde Hundenase mit ihren seitlichen Nasenflügeln und den rund und weit geöffneten Nasenlöchern. Wenn wir in diese Löcher mal etwas genauer hineinschauen, dann sehen wir, dass die Nasenflügel sich nach innen verlängern und noch weit in das innere der Nase hineinragen, zur mittleren Nasenscheidewand. Hier bildet die Nasenscheidewand mit dem überaus beweglichen Nasenflügel eine muskulär verschliessbare Öffnung für den Durchlass der Atemluft… und man nimmt an, dass dieser Verschlussmechanismus, u.a. für den Verschluss der Nase beim Hecheln da ist.


Das innere der Hundenase ist nicht wie bei uns leer. Ihr habt sicherlich alle schon mal einen einfach mittig durchgeschnittenen Blumenkohl gesehen. Oder Ihr könnt ihn Euch wenigstens vorstellen… oder googeln… das Innere der Hundenase schaut ganz ähnlich an. Die Nasenmuscheln sind, direkt hinter dem inneren Ende des Nasenflügels, gefüllt mit diesen vielen verzweigten Lamellen. Diese Lamellenstruktur ist überzogen mit stark durchbluteter Schleimhaut. Gut drei viertel der langen Hundenase sind gefüllt von diesen Nasenmuschellamellen. Sie werden von einer Drüse befeuchtet und über die ersten zwei Drittel dieser Lamellen, kühlt der Hund seinen Körper. Erst im hinteren Drittel findet man in der Schleimhaut der Lamellen auch die „Riechzellen“. Hinter ihnen kommt ein runder Durchgang in den Nasenrachenraum, hier strömt die Luft durch den nasalen Rachen und  den Rachen, in Richtung Kehlkopf und Luftröhre.


Der Nasenrachenraum ist hier, um Schlucken zu ermöglichen, vom Rachen getrennt durch das Gaumensegel. Hierbei handelt es sich um eine Verlängerung des weichen Gaumens. Wenn Ihr mal mit der Zunge oder dem Finger Euren Gaumen entlang drückt, merkt Ihr, dass er nach hinten weicher wird. Das ist muskuläres Gewebe umgeben von weichem Bindegewebe und wenn wir das Gaumensegel mal auf uns übertragen, dann ist seine Funktion zu Verhindern, dass Euch die Cola, beim Schlucken nicht  durch die Nase wieder raussprudelt!

Am geöffneten Gaumensegel vorbei strömt die Luft in die Luftröhre ein. Am Eingang der Luftröhre befindet sich der Kehlkopfdeckel, der aus Knorpelgewebe bestehende Kehlkopf und die Stimmlippen darunter. Über dem Kehlkopf gibt es Aussackungen des Gewebes nach außen, die Kehlkopftaschen. Wofür die Natur sich die gedacht hat, kann ich Euch leider nicht sagen. Aber sie sind da.

Schluckt der Hund, geht der Kehlkopf nach oben und wird vom Kehlkopfdeckel verschlossen. So können keine Fremdkörper in die Luftröhre gelangen.  So weit haben wir also den „normalen“ Hund.


Das die Atmung beim Hund neben dem Lebenserhalt, der Sauerstoffversorgung und Stickstoffentsorgung, noch andere lebenswichtige Funktionen hat, dürfte mittlerweile den meisten bekannt sein. Der Hund atmet nicht nur, er kühlt seinen Körper. Denn: außer an den Fußsohlen hat ein Hund keine Schweißdrüsen. Er kann nicht schwitzen wenn ihm warm ist. Seine Temperaturregulierung funktioniert anders. Die sehr stark durchbluteten Lamellen in der Nase werden über Drüsen angefeuchtet. Der Hund zieht nun Atemluft durch die Nasenlöcher ein, diese strömt an den angefeuchteten Lamellen vorbei und entzieht dem Körper durch Aufnahme der verdunstenden Feuchtigkeit auf den Lamellen Wärme. Der Hund hechelt wenn er seinen Körper kühlt. Durch die Nase geht die Luft rein und wird über das Maul wieder abgeatmet. Früher nahm man an, dass der Hund sich über die Verdunstungskälte auf der Zunge kühlt. Aber heute wissen wir, dass die Zunge hier eine untergeordnete Rolle spielt und die Nase maßgeblich verantwortlich für die Thermoregulierung des Hundes ist.


Beim Bully gibt es nun auf jeder Ebene des Atemweges mögliche Abnormitäten, die die Atmung negativ beeinflussen können und die ihn oftmals seiner Fähigkeit berauben, seine Körpertemperatur zu senken. Und dies ist so, weil in der Vergangenheit nur auf das gewünschte äußere Erscheinungsbild des Hundes geachtet wurde und seine Lebensqualität und Gesundheit anscheinend irrelevant erschienen. Die Nase wurde immer weiter zurück gezüchtet, teilweise hatten und haben Bullys gar keine Nase mehr und es wurde nicht darauf geachtet, nur Tiere zur Zucht einzusetzen, deren Inneres diese Verzüchtung einigermaßen mitgemacht hatte. Dies wäre ein Leichtes gewesen, wenn man seine Tiere einfach mal mit objektivem Auge beobachtet und ehrlich beurteilt. Eine schlechte Atmung kann jeder bemerken. Dazu muss man kein Fachmann sein.


Jedoch ob die Tiere überhaupt fähig waren durch die Nase zu atmen oder nicht, war kein Zuchtkriterium. Einzig und allein, das menschliche Bild der hündischen äußeren Perfektion war Zuchtkriterium und so wurde unseren Clowns ihr größtes Leid angezüchtet, die schlechte Atmung. Ein unwiderlegbar zu 100% menschengemachtes Problem unter dem unsere Bullys massiv leiden!

Ja, ich find das Knautschgesicht auch süß! Aber noch süßer finde ich es, wenn der Hund sich wohl fühlt, tief Luft holen und toben kann! Und in aller erster Linie liebe ich unsere Bullys aufgrund ihres einmaligen Charakters! Und dieser Charakter ist der selbe liebenswürdige, verrückte kleine Clown, wenn er eine längere Nase, einen weniger massigen Kopf und wieder etwas hat, was auch als Hals deutlich zu erkennen ist!


Fangen wir wieder vorn oben an. Die Nasenlöcher unserer Bullys sind nicht mehr vollständig rund geöffnet. Oftmals sind nur noch kleine Schlitze zu sehen und die Nasenflügel liegen eng an und sind oft vollkommen unbeweglich. Klar, dass hier der Luftdurchfluss eingeschränkt sein muss. Aber leider ist dieses Problem eines der leicht zu behebenden und eher „zu vernachlässigen“ in Anbetracht der Katastrophen, die hinter den Nasenlöchern liegen können. Auch ist die Beeinträchtigung durch die verengten Nasenlöcher oftmals geringer als es augenscheinlich aussieht. Ist die Nase dahinter frei, kommt es darauf an, ob z.B. unterhalb der anliegenden Nasenflügel noch Raum für durchströmende Luft ist. Dies ist oft gegeben und der Hund kann dennoch frei einatmen.


Die Lamellen in den Nasenmuscheln haben sich über die Zeit der Rückzüchtung der Nase leider nicht mit zurück gebildet. So wachsen sie, wie sie eigentlich gedacht sind (was mitunter wie vermehrtes Wachstum wirkt, aber einfach nur ein massiver Platzmangel ist) und verstopfen das Naseninnere. Wo bei dem normal-nasigen Hund die Luft zwischen den Lamellen hindurchströmt, angefeuchtet wird und dem Körper Wärme entzieht, ist bei dem Bully kein Platz. Die Lamellen liegen oft aneinandergepresst in diesem engen Raum, der ihnen zur Verfügung steht. Klar, dass hier keine Luft mehr durchströmen kann. Man hat sogar des Öfteren feststellen müssen, dass die Lamellen beim Bully und auch Mops verdickt wachsen. Hier versucht anscheinend der Körper durch mehr Fläche gegenzuwirken und bewirkt leider eine Verschlimmerung der Verstopfung.


Wo beim normalen Hund dann die Luft nach Passage der Lamellen in den Nasen-Rachenraum strömt, gibt es beim Bully das nächste Problem. Die Nasenlamellen drängen oft bis weit in den Nasen-Rachenraum hinein. Eine weitere Engstelle: der Durchgang von der Nasenmuschel in den Nasen-Rachenraum, verstopft von den Lamellen, die sich quasi „in ihrer Not“ dort Platz suchen und ein ernstes Problem darstellen. Dann die so nie gedachte Ausfüllung des Nasen-Rachenraums mit den in ihn hinein ragenden Lamellen.


Unsere nächste Baustelle: das Gaumensegel. Auch das Gaumensegel ist bei unseren Bullys oft verdickt und verlängert. Dies ist eine zum Teil angeborene Abnormität. Zum Teil, weil sich über die Zeit des Wachstums das Gaumensegel oft verlängert. Und dies passiert so: Durch die Nase kann der Hund kaum einatmen und benötigt große Anstrengung zum Einsaugen der Luft. Es entsteht ein großer Unterdruck, der dann nicht nur die Luft einsaugt, sondern auch am Gewebe zieht. So wird das weiche Bindegewebe des Gaumensegels beim Einatmen ständig gedehnt und leihert über die Zeit immer weiter aus.


Hier gibt es noch eine anatomische Besonderheit bei unseren Bullys. Wenn ein „normaler“ Hund das Maul öffnet und man die Zunge ein wenig herauszieht, dann ist freie Sicht in den Halsraum. Der Rachen ist weit und rund geöffnet. Die breiten Schädel unserer Bullys ziehen jedoch auch das Innere in die Breite. Der Rachen ist nicht mehr rund sondern oval geöffnet und im Extremfall ist der Schädel so breit und gedrungen, dass der Blick in den Rachen nur noch durch einen schmalen Schlitz möglich ist. Auch dies kann zu einem echten Problem werden in vielerlei Hinsicht… beim Hecheln, beim Trinken, beim Essen… Diese anatomische Veränderung allein ist schon Verantwortlich für ein wesentlich geräuschvolleres Hecheln, als bei anderen Hunden. Das kann ein Geräusch rein aufgrund der Anatomie sein und muss noch nicht krankhaft sein. Dennoch bin ich für weniger massige, gedrungene Schädel und wieder einen runder und freier geöffneten Rachen.


Die Kehlkopftaschen sind beim Bully von der erschwerten Atmung ebenfalls beeinflusst. Durch Unterdruck, der durch die angestrengt eingesogene Luft entsteht, leiern auch die Kehlkopftaschen aus. Evtl werden sie nach innen gesogen und verstopfen den Kehlkopfeingang. Das ausgeleierte Gewebe der Kehlkopftaschen bewegt sich mit der Atmung und sie sind mit Grund dafür, dass manche Bullys weißen Schaum erbrechen. Der Speichel wird aufgeschlagen, schäumt auf wie aufgeschlagene Sahne, versperrt den Atemweg und der Bully erbricht weißen Schaum. Je höher die Atem- bzw körperliche Anstrengung, desto größer die Gefahr hierfür.


Der Kehlkopf besteht ja aus Knorpeln. Beim Mops häufiger als beim Bully, aber eben auch bei ihm, kann die Knorpelbildung gestört sein und der Kehlkopf ist zu weich und kann seine Aufgabe nicht mehr richtig erfüllen. Im schlimmsten Fall kollabiert das ganze Kehlkopfsystem und der Hund erstickt.


Auch die Luftröhre beim Bully ist mitunter verändert. Oft ist der Durchmesser der Luftröhre bemerkenswert gering und es können Knicke und Verengungen in der Luftröhre bestehen.


Dies in aller Kürze, soweit möglich, und so katastrophal wie es halt leider ist. Hat ein Bully all diese Veränderungen geerbt, wird er nicht lange damit leben können. Viele Bullys leiden nur unter einem Teil der Probleme und kommen mehr oder minder gut damit zurecht und viele andere benötigen eine OP. Wobei hier die Öffnung der Nasenflügel und die eventuelle Kürzung des Gaumensegels, wie es dann oft gemacht wird, meistens die Probleme nicht löst. Die Mehrheit der Bullys hat ein grundlegendes Problem mit der Nasenatmung durch die verengten Nasenmuscheln und hier Abhilfe durch eine OP zu schaffen ist aufwändig, lohnt aber, weil danach, wenn sie gut und von einem Fachmann gemacht wurde, ist dann wirklich geholfen.


Aber ich denke, wir sind uns alle einig, dass eine OP nur das Symptom bekämpft jedoch nicht die Ursache. Und an der Ursache sollte jeder Züchter interessiert sein zu arbeiten. Ansonsten stelle ich seine Motivation zur Zucht ernsthaft in Frage!


Wie findet Ihr nun einen Welpen, der hoffentlich frei atmen wird? Nun, schaut Euch die Elterntiere genau an und jagt sie durch den Garten. Das sollte leicht fallen, da unsere Bullys ja nun ernsthaft verspielt sind und eine Runde mit den Hunden des Züchters zu toben sollte erlaubt sein! Wenn Ihr einen Welpen seht, wird dieser IMMER frei atmend sein. Macht er als Welpe schon Geräusche, dann lasst die Finger von ihm, so niedlich er auch sein mag. Die Nasenmuscheln entwickeln sich bis zum 6-9. Lebensmonat. Bis dahin wird also in aller Regel die Nasenatmung vollkommen unbeeinträchtigt sein. Verkauft ein Züchter seine 10 Wochen alten Welpen als garantiert freiatmend, dann unterstelle ich ihm, dass dies seine erste Lüge ist. Niemand ist zum derzeitigen Stand der FB-Zucht in der Lage bei einem Welpen eine verlässliche Aussage zu seiner zukünftigen Atmung zu machen. Und wie wir ja eben gelernt haben, ist jeder Welpe freiatmend, da sein Naseninneres erst noch wächst.


Auch die Breite des Schädels kommt erst später, bei manchen erst im 2. Oder 3. Lebensjahr und so können wir eine ernsthafte Beurteilung der Atemwege eigentlich frühestens mit 1,5 oder 2 Jahren vornehmen. Vorher sollte also auch kein Bully in die Zucht gehen. Vor allem kein Rüde, da sie aufgrund ihres breiten Schädels viel häufiger von Atemwegsproblemen betroffen sind, als Hündinnen. Hier gilt es, vor dem dritten Lebensjahr von dem Zuchteinsatz abzusehen und das Tier lieber noch reifen zu lassen.


Und damit sind wir bei der Frage, was Züchter tun können oder sollten!

Nun, die Rasse ist noch lange nicht so weit, dass wir bei einem Bullywurf davon ausgehen können, nur freiatmende Babies zu bekommen. Aber es gibt ausreichend gut bis hervorragend atmende Tiere, die merklich und nachweisbar nicht von den oben genannten Problemen beeinträchtigt sind, soweit es der Rasse halt möglich ist. Und nur solche Tiere sollten zur Zucht genommen werden. Die Nasenatmung sollte in jeder Lage und bei jeder Aktivität geräuschlos sein! Und ein Hecheln sollte möglich sein, ohne dass es klingt als würde Gewebe „schlackern“ oder der Hund wäre verschleimt. Und noch mal ganz deutlich: NEIN! Schnarchen ist für Bullys NICHT NORMAL!!! Ein gut gezüchteter Bully schnarcht nicht! Zumindest nicht, wenn er normal liegt, geht, steht, läuft, tobt! Liegt er verdreht wie ein Brezel auf dem Sofa, dann sei ihm ein Schnarchen gestattet – auch wir Schnarchen ja ab und zu.


Hier gilt es für jeden Züchter seine Tiere ehrlich zu beurteilen, im Zweifelsfall in Narkose endoskopisch und röntgenologisch untersuchen zu lassen und dann nur Tiere zur Zucht einzusetzen, die möglichst freigängige Nasenmuscheln, ein normales Gaumensegel und auch sonst möglichst regelgerechte Atemwege haben. Möglichst? Ja. Denn leider werden nur sehr wenige Bullys bisher den Vergleich mit einem Schäferhund standhalten. Aber die Atemwege über die Generationen zu verbessern ist nun unsere Aufgabe als Züchter. Um dann mit jeder Generation mehr Babies mit wirklich freier Atmung zu bekommen und irgendwann wieder in der Lage zu sein, in der Auswahl der Partner auch wirklich ein Urteil über die Wahrscheinlichkeit der guten Atmung der Welpen treffen zu können. Denn noch stecken die Atemprobleme tief in den Genen. Selbst aus vollkommen frei atmenden Elterntieren können schlecht atmende Welpen entstehen. Aber was in 100 Jahren kaputt gemacht wurde, lässt sich auch nicht in 3-4 Generationen wieder korrigieren. Es wird noch ein wenig Zeit dauern, aber ich glaube an den Erfolg und an eine wieder gesundete Französische Bulldogge!


Die Züchter müssen aufhören, den wirklich weit gefassten Standard der Französischen Bulldogge auf eine ihr schadende Art und Weise auszulegen. Denn im Standard steht schliesslich auch, dass ihre Nase ihr eine normale Nasenatmung ermöglichen muss! Und wenn Züchtern wie uns immer wieder vorgeworfen wird, windige und unförmige Hunde zu züchten… zu langbeinig, zu langnasig… dann muss ich sagen, dass in Deutschland die meisten Züchter gegen den sie bindenden Standard verstoßen! Und zwar, indem sie dem Bully eine Nase anzüchten, die ihm die Nasenatmung unmöglich macht!

Und dies verstößt nicht nur gegen den Standard, es verstößt meiner Meinung nach auch gegen jegliche ethische Grundsätze, die man in der Zucht haben könnte! …oder sollte!

 

 

Monja Balzer

 

Hier noch ein sehr interessantes und informatives Video mit CT-Bildern der Nasengänge und auch kurzer Erklärung zu Keilwirbeln.


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