Keilwirbel


Wichtig für Euch zu wissen!

Unser Umgang mit dem Thema "Keilwirbel"

 

Unter einem Keilwirbel versteht man einen sichtbar in der Form abweichenden Wirbelkörper der Wirbelsäule. Problematisch sind diese Deformierungen, da sie Bandscheibenvorfälle begünstigen und auch der Wirbelkörper selbst verrutschen kann, mit fatalen Folgen.
Auf unserer Seite finden Sie einige Links mit tiefergehenden Informationen und Bildern zu diesem Thema.
Bedenklich, was den Umgang mit Keilwirbeln angeht, finden wir, dass die Problematik zwar weitreichend bekannt ist, es jedoch heute noch immer KEINE für alle verbindliche Beurteilung von Keilwirbeln gibt. Das heißt, es wurde bisher nicht festgelegt, ab wann eine Abweichung von der üblichen Form als Keilwirbel zu benennen ist. Reichen da wenige Mikrometer? Oder ist es erst ein Keilwirbel, wenn der Wirbel z.B. eine sichtbare Dreiecksform hat?
Und es fehlt nicht nur ein verbindlicher Standard als Basis zur Beurteilung eines jeden Hundes, es gibt auch keine offiziellen Gutachter. Sämtliche Gutachter "am Markt" sind quasi selbst benannt. Denn wo kein festgelegter Standard, da auch kein allgemeingültiges Gutachterurteil. Jedem Gutachter ist es selbst überlassen, ab wann er einen Wirbel als Keilwirbel einstuft.
Und noch viel mehr, JEDER Züchter kann zu jedem Tierarzt seiner Wahl gehen (egal ob er für diese Untersuchungen und Beurteilungen erfahren genug ist oder nicht) und seinen Hund nach Keilwirbeln untersuchen lassen und sich von ihm dann die scheinbare Keilwirbelfreiheit bescheinigen lassen. Und auch Vereine mit Keilwirbeluntersuchungen haben den Beurteilungsrahmen hierfür meist selbst festgelegt und der Gutachter richtet sich danach.
Und wenn man bedenkt, dass es Studien gibt, in denen man zu dem Schluss kommt, dass 98% aller Französischen Bulldoggen Keilwirbel haben und man sich dann die Züchter im In- und Ausland ansieht, mit den Unmengen an scheinbar keilwirbelfreien Hunden, dann kommen wir ins Grübeln...
So lange es keine für jeden Züchter und Verband verbindliche, standardisierte Keilwirbelbegutachtung gibt, lassen wir die Untersuchung bei dem Tierarzt unseres Vertrauens machen. Und jeder Welpeninteressent kann jederzeit die Röntgenbilder einsehen. Wir bitten dann um kurze Info, da diese bei unserem Tierarzt lagern und wir sie dann für den Besuch bei ihm abholen. Wir vertrauen in dieser Beziehung, beim momentanen Stand, auf unseren für seine Kompromisslosigkeit bekannten Tierarzt und nicht auf einen uns unbekannten Gutachter! Dies ist so eine Entscheidung, hinter der wir mit gutem Gewissen stehen können und bei der wir die Ergebnisse der Untersuchung und auch die Röntgenbilder mit ebenso gutem Gewissen jederzeit jedem vorzeigen!

Noch einmal ganz deutlich: ein Keilwirbelgutachten, heißt nicht, dass der Hund neutral und unabhängig begutachtet wurde. Der Gutachter kann noch so neutral und professionell an die Sache rangehen, der Rahmen, nach dem er beurteilt, wurde ihm jedoch vom Verein des Züchters oder vom Züchter selbst vorgegeben. Und wenn man jetzt böses im Sinn hat, dann könnte dieser Rahmen z.B. lauten "Es werden Wirbel als Keilwirbel definiert, die in der Länge der Ober- zur Unterseite eine Abweichung von mehr als 50% haben."
Heißt, wenn also die Unter- oder Oberseite des Wirbels mehr als um die Hälfte kürzer ist als die jeweils andere, dann ist es erst ein Keilwirbel. Eine massive Deformation, die so hoffentlich nicht in die Zucht genommen würde. Und ich glaube und hoffe, dass die derzeitigen Gutachter die Beurteilung hiernach ablehnen würden.
Aber denkbar wäre es dann, dass der Züchter einen Hund haben könnte mit 3, 4, 5, 6, 7,... sichtbar deformierten Wirbeln, die aber nicht erwähnt werden, wenn sie halt nicht in die Definition fallen. Da gäbe es dann also einen Hund, voller deformierter Wirbel, mit einem klasse, keilwirbelfreien  Gutachten. Schön, oder? Das ist jedoch nicht allein den Gutachtern vorzuwerfen! Das grundlegende Problem ist, dass es keinen verbindlichen Standard, so wie bei der HD z.B., gibt. Dieser muss von den Gutachtern, von Spezialisten für Wirbelsäulen des Hundes und den Zuchtverbänden festgelegt werden.

Seriöse Zucht und ihre Möglichkeiten am Beispiel Keilwirbel

 

Rund um die Zucht Französischer Bulldoggen gibt es leider eine Menge gesundheitlicher Themen die diskutiert werden. Züchter versuchen sich möglichst tiefgehendes Wissen anzueignen und ihre Tiere bestmöglich zu untersuchen. Käufer informieren sich, in der Hoffnung, so einen gesunden Bully zu finden.

Und kaum ein Thema wird so heiß und anhaltend diskutiert wie die Keilwirbel. Das ist gut so. Immer wieder erreichen auch uns diesbezüglich die verschiedensten Fragen, welche wir auch gerne beantworten. Jedoch denke ich, dass in den meisten Diskussionen das grundlegende Wissen darüber fehlt, über was da eigentlich geredet wird. So kochen regelmäßig Emotionen bei diesem Thema hoch und es kommt immer wieder die berechtigte Forderung, ausschließlich mit keilwirbelfreien Hunden zu züchten. Berechtigt ist diese Forderung zum Schutz des Zuchttieres, jedoch, das muss ganz klar gesagt sein, NICHT zur Vermeidung von Keilwirbeln. Warum ich diese für einige skandalöse Aussage treffe, erklärt sich weiter unten.

 

Zu aller Erst diese Anmerkung: ein Keilwirbel  ist nur eine der möglichen Deformationen in der Wirbelsäule, welche für Züchter problematisch und für den Hund durchaus gefährlich werden kann. Ein Keilwirbel ist ein keilförmig deformierter Wirbelkörper in der Wirbelsäule.

Es gibt auch noch Blockwirbel, bilaterale Keilwirbel, die sogenannten Schmetterlingswirbel. Und es gibt Wirbel die einfach in ihrer Form und  Größe so weit von den übrigen gesunden Wirbeln abweichen, dass man sie als deformiert und damit problematisch und zuchtausschliessend betrachten muss. Es gibt Wirbelstenosen, das sind Verengungen des Bereichs, durch den die Nerven fließen. Skoliosen, Lordosen und und und.

 

Fangen wir aber damit an, wie überhaupt ein Wirbel in der Wirbelsäule entsteht. Ich denke, dies ist wichtig um zu verstehen, warum es überhaupt möglich ist, dass Deformationen der Wirbelkörper entstehen.

In der Embryonalphase entsteht das Knochengerüst nicht sofort als Knochen. Der Embryo bildet Knorpel die über die Entwicklungszeit verknöchern. Und genauso bildet sich auch ein Wirbelkörper. Um den Rückenmarksstrang bilden sich drei Knorpel, welche mit der Zeit verknöchern und dann den Wirbelkörper bilden. Und die Phase bis zur Verknöcherung ist die kritische. Besteht hier eine Unterversorgung des Knorpelgerüsts, kann sich der Knochen nicht regelgerecht bilden und es kommt zu Deformationen. Es kann sein, dass sich die Räume zwischen den drei Knorpeln nicht korrekt schliessen. So kommt es zum Beispiel zu einem bilateralen Keilwirbel/ Schmetterlingswirbel. Macht man ein Röntgenbild der Wirbelsäule von oben, dann sieht der Wirbelkörper wie ein Schmetterling aus. Von der Seite erkennt man diese Deformation nicht eindeutig.

Wichtig zu erwähnen ist auch, dass die Verknöcherung der Wirbelsäule bei Hunden erst mit etwa 6-10 Monaten abgeschlossen ist. Falsche Belastung, Überbelastung, Stürze und andere Traumata, Unter- oder Überernährung mit Mineralstoffen oder bestimmten Vitaminen (Also Fehlernährung)… all dies kann die Entwicklung der Wirbelsäule auch nach der Geburt und nach Abholung des Welpen beim Züchter noch beeinflussen. In der späteren Entwicklung geht es aber weniger um Keilwirbelbildung. Die Anlagen für einen Keilwirbel sind viel früher gelegt. Hier geht es hauptsächlich darum, Verkalkungen wie Spondylosen vorzubeugen.

 

Die Frage, die sich nun stellt, ist: unter welchen Voraussetzungen kommt es in der Embryonalphase zu einer Mangelversorgung der Wirbelknorpel? Allgemein anerkannt ist die Annahme, dass die Veranlagung zu dieser Mangelversorgung also eine Störung der Knorpelbildung vererbt wird. Beim Deutsch Kurzhaar und Schäferhund wurde dieser Erbgang und die verantwortlichen Gene schon identifiziert. Also ist mit größter Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass es sich auch bei der Französischen Bulldogge um einen vererbbaren Defekt handelt.

 

Einige stutzten eben eventuell. „Deutsch Kurzhaar und Schäferhund? Sollen Keilwirbel nicht nur bei schwanzlosen Rassen vorkommen?“ Ganz klar: nein! Einige Rassen sind von Keilwirbeln betroffen und das sind nicht nur die üblichen Verdächtigen wie unsere Französischen Bulldogge, der Mops oder der Boston Terrier.  Das Problem der Keilwirbel an sich, ist alt und es sind in der Veterinärmedizin seit dem frühen 20. Jahrundert Fälle dokumentiert. Unter anderem sind auch Rassen wie der Dobermann, Pinscher, Zwergspitz, Yorkshire Terrier oder Westhighland White Terrier betroffen. Also nicht ausschließlich schwanzlose Rassen, aber eben auch oder eher vorwiegend. Ich will damit jetzt auch garnicht den Freibrief zur schwanzlosen Zucht geben, nach dem Motto: haben ja auch Schwanzträger.

Meiner Meinung nach, gehört eine komplett schwanzlose Zucht verboten. Ist doch der Schwanz von maßgeblicher Bedeutung für die Kommunikation des Hundes. Und die Häufung von Wirbeldeformationen bei schwanzlosen Rassen sprechen für sich.

 

Nun wissen wir also, wie so ein Keilwirbel entsteht. Jetzt müssen wir nur noch wissen, ab welcher Intensität der Deformation ein veränderter Wirbel als Keilwirbel benannt wird.

Nun, alles in diesem Text, was nicht auf einer wissenschaftlichen Erkenntnis beruht, ist ganz klar meine eigene Meinung. So denke ich z.B. dass die Natur nur selten rechte Winkel macht. Und ich kann mir nicht vorstellen, dass die Wirbelsäule eines jeden Lebewesens ausschließlich exakt rechtwinklig, gleich geformte Wirbel enthält. Ich glaube, dass es immer minimale Abweichungen gibt, die, wenn man das Mikrometermaß an sie hält, einen Keilwirbel ergeben oder einen anders verformten Wirbel.

 

Die grundlegende Frage ist: ab wann ist eine Abweichung von der (noch  nirgends festgelegten!) Norm ein Keilwirbel oder eine Deformation? Reichen 1-2 Millimeter oder muss der Wirbel mit bloßem Auge auf dem Röntgenbild als abweichend erkennbar sein?

 

Fakt ist: es gibt KEINE allgemein verbindliche (!) Richtlinie, die festlegt, ab wann eine Abweichung in der Form eines Wirbels, eine Deformation darstellt. Ja, es gibt, bei Züchtern und Vereinen, anerkannte Gutachter, welche Keilwirbelgutachten erstellen. Jedoch frage ich mich: auf welcher Grundlage arbeiten diese und beurteilen Keilwirbel? Haben die in einer Arbeitsgruppe zusammen gesessen und einen Standard für Wirbelsäulen und deren mögliche Abweichungen festgelegt? Haben sie einen einheitlichen Beurteilungsrahmen, nach dem dann ein verformter Wirbel bzw. die Anzahl an verformten Wirbeln in Grad 1, 2 oder 3 eingeteilt wird? Nein, die Grundlage auf der sie Beurteilen, wird ihnen vom Kunden, also Züchter oder Verein, vorgegeben und sie richten danach. So legt der eine Verein vielleicht fest, dass ein Längenunterschied der Ober- und Unterseite eines Wirbels von 2 mm schon ein Keilwirbel ist... und einem anderen Verein ist das zu früh. Dann hat man ja gleich so viele Hunde mit Keilwirbel. Dort wird dann die Abweichung lieber auf 5mm oder mehr festgelegt. Es kann wirklich jeder machen, was er will und sich nach seinen erdachten Richtlinien eine vermeintliche Keilwirbelfreiheit bestätigen lassen...

 

2011 gab es eine Doktorandin, die eine Studie zu Keilwirbeln bei der Französischen Bulldogge veröffentlichte. Ziel dieser Studie war es u.a., den Mangel an einer Beurteilungsrichtlinie für Keilwirbel abzuschaffen und eine, in der Praxis, umsetzbare Beurteilungsnorm zu schaffen.

 

Die dort geschaffene, UNVERBINDLICHE Richtlinie sieht wie folgt aus:

Ausgemessen und beurteilt werden die rückengerichtete und die bauchgerichtete Länge eines jeden Wirbels. Die beiden Maße werden ins Verhältnis gesetzt und eine Abweichung in Prozent festgelegt.

Hat z.B. die Oberseite des Wirbels eine Länge von 5cm und die Unterseite eine Länge von 4,9 cm, dann ist die Unterseite, mit 1mm weniger, um 2% kürzer als die Oberseite.

 

Keilwirbel Grad 0 = keinerlei Abweichung der Längen von Ober- und Unterseite des Wirbels

Keilwirbel Grad 1 = eine Abweichung in der Länge von bis zu 20%

Keilwirbel Grad 2 = eine Abweichung in der Länge von mehr als 20% bis 40%

Keilwirbel Grad 3 = eine Abweichung in der Länge von mehr als 40% bis 60%

Keilwirbel Grad 4 = eine Abweichung in der Länge von mehr als 60%

 

Mein obiges Rechenbeispiel mit einem Längenunterschied von einem Millimeter, also in diesem Fall 2%, wäre dann ein Keilwirbel Grad 1. Und hier komme ich zu meinem größten Kritikpunkt an dieser Art der Einteilung! Wie oben gesagt, glaube ich, dass die Natur nur selten Knochen mit rechtem Winkel bastelt. Aber davon mal ganz abgesehen, kann eine solche minimale Abweichung in der Länge auch durch die Röntgenmethode entstehen. Der Zentralstrahl anders eingestellt, der Hund nicht korrekt gelagert… und schon haben wir in einem oder mehreren Wirbeln eine nicht mehr korrekte Abbildung und damit dann eine Abweichung von einem oder zwei oder gar drei Millimetern, obwohl der Wirbel komplett regelgerecht ist.

Nun mag es einige Gutachter geben, die sich strikt an die Einteilung halten und ab einem 1% Abweichung in Grad 1 einteilen. Und andere, die sich sagen, eine Abweichung von einem oder zwei Prozent können auch an falscher Lagerung liegen und die beurteilt er noch nicht als Grad 1. Denn, die Studie hat ja keine allgemein verbindliche Richtlinie geschaffen. Wer garantiert mir also, dass der eine Hund nicht mit mehr Ermessensspielraum beurteilt wurde als der andere?

Aber wichtiger ist mir die Frage, ob eine „Brandmarkung“ als Keilwirbel bei einer Abweichung von 1-2% oder auch 4% (in meinem Beispiel wären das 2mm gewesen) schon gerechtfertigt ist.

Ich bin fest davon überzeugt, dass wir, wenn wir mal konsequent alle Rassen nach diesem Beurteilungsrahmen begutachten würden, keine einzige keilwirbelfreie Rasse mehr haben. Nicht mal wir Menschen sind keilwirbelfrei… wieso wird diese Perfektion der Natur dann bei einem Hund erwartet?

 

Moooment! Ich höre schon die ersten Aufschreien, ich würde hier grad versuchen mich aus der Verantwortung zu reden und das Thema Keilwirbel runterspielen… Nein, nein, bleibt ganz ruhig! Was ich eben schrieb soll auf gar keinen Fall ein Freibrief für die weniger motivierten Züchter sein, nun alles in der Zucht einzusetzen, was nach Bully mit gradem Rücken aussieht…denn Keilwirbel hätten ja eh alle. An diesem Punkt hakt gewaltig es an zwei Stellen:

  1. Will der Züchter behaupten, er tut alles, um gesunde Welpen zu bekommen, dann sollte er einen Zuchttier mit Keilwirbeln nicht in der Zucht einsetzen. Denn hier ist ja bewiesen, dass dieser Hund die Anlagen zur Bildung von Keilwirbeln trägt!
  2. Will der Züchter behaupten können, er sorgt sich um seine Tiere, dann darf ich ein gesundheitlich eingeschränktes Tier oder eben eines, welches in eine Risikogruppe zählt, nicht zur Zucht einsetzen. Zum Schutz des Tieres! Denn hat der Hund einen Keilwirbel, besteht die Gefahr der Instabilität der Wirbelsäule an dieser Stelle. Soll so ein Tier dann regelmäßig decken oder als Hündin trächtig sein? Ich denke nicht!

 

So, und hier liegt mein persönliches Dilemma: Habe ich einen nach obigem Schema in KW Grad 1 eingeteilten Hund, dann ist er uneingeschränkt zuchttauglich. Denn die „echten“ Keilwirbel beginnen erst bei Grad 2! Toll!

 

Jedoch beurteile ich persönlich einen Keilwirbel, der eine Abweichung von 2% (in meinem Beispiel 1mm) und einen Keilwirbel mit einer Abweichung von 19% (in meinem Beispiel 9,5mm) vollkommen unterschiedlich! Dennoch ist beides Grad 1.

 

Ich hätte keinerlei Bedenken mit meiner Hündin zu züchten, wenn diese Wirbel hat, deren Ober- und Unterseite in der Länge um 1-2 vielleicht auch 3 Millimeter abweichen. Diese Differenzen gestehe ich der Natur zu! Jedoch empfinde ich eine Differenz von fast einem Zentimeter als so massiv, dass ich einen Einsatz in der Zucht nicht mehr mit meinem Gewissen vereinbaren könnte.

Unsere Devise in der Vergangenheit (und wir bleiben auch dabei) hieß immer „Kann ich einen deutlich abweichenden Wirbel mit bloßem Auge, sofort erkennen, geht der Hund nicht in die Zucht!“

Was nützt mir also dann die als unbedenklich einzuordnende Einteilung in Grad 1, wenn die Hündin dann 3 Wirbel hat, die jeweils in fast einem Zentimeter von der ihnen zugedachten Form abweichen? Damit kann ich doch nicht wirklich bedenkenlos züchten. Deswegen sind für mich ganz persönlich die Keilwirbelgutachten in ihrer Gesamtheit irrelevant!

Es gibt keine verbindliche Norm, es gibt nicht einmal einen Vorschlag zur Einteilung, der für mich logisch nachvollziehbar ist und was hilft es mir, wenn  mein Gutachter dann grünes Licht für etwas gibt, was ich für ein No-Go halte?!

 

Aber welche Möglichkeiten habe ich nun in der Zucht?

 

Der seriöse Züchter untersucht seine Tiere auf alles, was man untersuchen kann und selektiert ehrlich entsprechend der Ergebnisse. Hat ein Tier ein gesundheitliches Problem, trägt es die Erbinformationen für einen vererbbaren Defekt, dann gehört es nicht in die Zucht. Wenigstens sollte man doch das tun, was möglich ist. Aber hier auch mal ganz klar gesagt: kaum etwas ist so unsicher und unerforscht, wie die Hundezucht.

Die absolute Mehrheit an Krankheiten, vererbbaren Defekten ist noch nie erforscht worden. Keiner weiß, ob das Zuchttier so etwas weitergeben kann und man kann es auch nicht danach untersuchen. Wenn wir mal alle ganz ehrlich sind, ist Hundezucht, so gewissenhaft sie auch betrieben sein mag, immer eine Art Lotto!

Man guckt sich die Ahnenlinien an und forscht nach vorgekommenen Krankheiten. Man begutachtet Zuchtergebnisse verwandter Tiere. All das und mehr tut man als Züchter, um ein Gefühl (!) dafür zu bekommen, wie wahrscheinlich es ist, dass das potentielle Zuchttier eine Krankheit vererbt. Im Idealfall sind die Linien gesund und es sind bisher keine vererbbaren Krankheiten vorgekommen. Nur heißt das, dass dies nie passieren wird? Nein! Jeder Wurf kann der Erste in der Linie sein, bei der ein Defekt zu Tage tritt.

 

Und genauso verhält es sich auch bei Keilwirbeln und anderen Deformationen an der Wirbelsäule. Die Studie von 2011 brachte keine diesbezüglich nützlichen Ergebnisse, die Studie an der tierärztlichen Hochschule Hannover zum Thema läuft und wird wohl auch noch für längere Zeit keine Ergebnisse bringen.

So bedeutet dies für Züchter zum momentanen Zeitpunkt, ihre Tiere zu untersuchen und nur Hunde in die Zucht zu nehmen, die selbst nachweislich keine stark ausgeprägten Keilwirbel oder andere Deformationen haben. Dies in der Hoffnung (!), dass sich dann auch keine schlimmen Keilwirbel bei den Nachkommen zeigen.

Dennoch gibt es Welpen aus Würfen, nachweislich keilwirbelfreier Eltern und Großeltern, die selbst Keilwirbel haben. Wir haben selbst solche Fälle in unseren Nachkommen! Alle vier Großeltern waren in unserer Zucht und sind keilwirbelfrei. Die Eltern waren oder sind in der Zucht und sind keilwirbelfrei und dennoch gibt es Nachkommen mit gutachterlich festgestellten Keilwirbeln.  

Da sitzt man dann als Züchter da und fragt sich, wofür man den ganzen Aufwand betreibt, wenn dann doch hinterher ein Hund mit Keilwirbeln geboren wird.

 

Auf der anderen Seite gibt es die, die sich nicht ganz so viele Sorgen machen. Sie schrecken nicht zurück vor Verpaarungen mit Hunden voller Keilwirbel. Und aus diesen Verpaarungen, entstehen dann keilwirbelfreie Nachkommen. Und das wo man annehmen sollte, wenn beide Eltern Keilwirbel haben, dann die Nachkommen doch garantiert auch… Ist eben nicht so! Und keiner weiß warum!

 

Was also nun tun? Ich denke, das ist eine reine Gewissensfrage. Man muss sich als Züchter selbst im Spiegel ansehen und sagen können, dass man ein reines Gewissen hat.

Will ich sagen können, dass ich alles für meine Tiere tue und auch alles für hoffentlich gesunde Nachkommen, dann muss ich zwangsläufig alle nur möglichen Untersuchungen machen. Ein Tier welches für die Zucht geplant war und dafür aufgrund von Untersuchungsergebnissen oder Charaktereigenschaften nicht in Frage kommt, eben nicht in die Zucht nehmen.

 

Und geht es nun speziell um die Keilwirbel, ist meine persönliche Meinung folgende: habe ich Hunde mit mehreren deutlich sichtbaren Keilwirbeln, dann kann ich mir sicher sein, dass dieser Hund die genetischen Anlagen für die Bildung von Keilwirbeln trägt. In der Folge sollte ich gut abwägen mit ihm züchten bzw. keilwirbelfrei verpaaren, da anzunehmen ist, dass er diese Anlage vererbt. Dem entgegen steht jedoch die Tatsache, dass auch aus Verpaarungen in denen beide Eltern Keilwirbel haben, vollkommen keilwirbelfreie Tiere hervorgegangen sind. Die Vererbung der Anlagen dazu geschieht über vermutlich über mehrere verschiedene Gene und der Welpe muss quasi den "richtigen" Cocktail erben.

Wir haben für uns folgende Entscheidung getroffen: stimmt bei dem Hund sonst alles, vor allem die Atmung, dann züchten wir auch mit ihm, wenn er leichte Keilwirbel (nur in der Brustwirbelsäule und keine starken Deformationen) hat. Ist doch die Atmung noch immer die größte Last der Bullys. Die Welpen aus einem Erstwurf einer Hündin werden vor der zweiten Schwangerschaft geröngt und danach wird entschieden, ob das Tier in der Zucht bleibt oder nicht. Das gibt noch immer keine Garantie, dass ein nächster Wurf dann genauso gut ausfällt, aber es ist wenigstens ein Anhaltspunkt und trägt zur Erfahrung bei. Wichtig ist die konsequente Beobachtung und Untersuchung der Welpen.

 

Aber letztendlich bleibt dennoch nur hoffen auf Glück!

 

 

 

Monja Balzer

 

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