Demodex/ Demodikose


Die Demodikose ist ein weiterer Parasitenbefall von dem im Internet, in Gruppen, in Foren immer wieder wahre Horrorgeschichten zu hören sind. Zum größten Teil zu Unrecht. Das muss ganz klar gesagt sein. Sicherlich ist eine ausgeprägte Demodikose mit zusätzlicher bakterieller Infektion der kahlen Hautstellen ein großes Leid für die betroffenen Tiere. Jedoch wird den Haltern regelmäßig der „Kopf kaputt geredet“ und die Tiere durchlaufen eine Tierarztkarriere die ihresgleichen sucht.

 

Zu aller Erst ist zu sagen, dass die Demodexmilbe ein GANZ NORMALER Hautbewohner ist. Jedes Säugetier, inklusive uns, lebt tagtäglich mit der Demodexmilbe. Sie lebt im Haarbalg und ernährt sich von Talg, Gewebewasser und abgestorbenen Zellen, womit sie für uns auch einen Zweck erfüllt und die Haut zieht aus ihr durchaus einen Nutzen.

Immer wieder hört man jedoch Sätze wie „Der Welpe wurde von der Mutter ANGESTECKT.“ Und ähnliches, als handele es sich um eine Krankheit, die bekämpft und beseitigt werden muss.

Dies wird niemals gelingen. Es sei denn, der Mensch, das Tier wird steril geboren und fortan steril ohne jeglichen direkten Kontakt zur Aussenwelt und Lebenwesen isoliert gehalten. Und das kann ja nicht das Ziel sein. Sie gehören zu uns!

 

Aber wie es oft mit Nützlingen ist, sie können auch lästig werden. Im Normalfall sorgt das Immunsystem dafür, dass sich die Verbreitung der Demodexmilbe auf das notwendige und nützliche Maß beschränkt und wir leben einträchtig zusammen. Schwächelt jedoch das Immunsystem, ist es Stress ausgesetzt (wie z.B. bei der ersten Läufigkeit der Hündin, im Zahnwechsel, nach Wespenstichen, nach durchgemachten langen Krankheiten oder schweren OPs, nach Antibiotikagabe oder Kortison…) dann hat die Milbe eine Chance sich unkontrolliert zu vermehren und es kommt zu kahlen Hautstellen.

Jungtiere erleben dies häufiger und das nennt sich dann Jugenddemodex. Sie beginnt zumeist mit einer Art Brillenbildung um die Augen oder vereinzelten kahlen Stellen vor allem an den Gliedmaßen. Die Jugendemodex heilt in 90% der Fälle nach einigen Wochen von ganz alleine, ohne jegliche Medikamente, wieder ab, wenn sich das Immunsystem und die Stresssituation wieder stabilisiert. Eine Behandlung ist hier absolut nicht notwendig, sollte das Tier keine Sekundärinfektionen haben. Die Hautbarriere ist durch die übermäßig vorhandene Demodexmilbe nicht mehr ganz intakt und Bakterien haben ein leichteres Spiel. So kann es an den kahlen Hautstellen zu Pusteln, Pickeln, Rötungen kommen. Diese sind u.U. behandlungsbedürftig, wenn der Hund darunter leidet. Ich würde jedoch, hätte ich einen Hund mit Demodex, gezielt diese Reizungen und Entzündungen behandeln und zusätzlich auf einen intensiven Immunaufbau und Aufbau der Darmflora setzen. Eine Gabe von starken Antiparasitika würde ich immer versuchen zu vermeiden und es erst einmal mit Hilfe der Tierheilpraktikerin versuchen, in den Griff zu bekommen.

 

Viele Tierärzte behandeln die Demodikose sehr schnell mit Ivomec (Inhaltsstoff Ivermectin). Da dieses Mittel gegen Räude hilft, wird angenommen, dass es auch gegen die Demodexmilbe hilft. Bewiesen ist es jedoch nicht, zumindest habe ich dafür keine schriftlichen Belege gefunden.

Hunde mit dem MDR1-Defekt versterben nach der Gabe von Ivermectin. Generell wäre ich vorsichtig. Durch die Einkreuzung verschiedenster Rassen, mit dem Ziel Bullys in Merle zu bekommen, ist nicht auszuschliessen, dass auch einige Bullys aus diesen Zuchtexperimenten den MDR1-Defekt tragen könnten. Generell wäre ich mit Ivermectin vorsichtig.

 

Ist der Befall ausserordentlich stark, gibt es jedoch ein chemisches Mittel, welches ich dann einsetzen würde. Wir hatten einen Welpen, der im neuen Zuhause dann zur Zeit der ersten Läufigkeit eine Jugenddemodex bekam und kurz zuvor mit Antibiotika behandelt wurde. Die Demodex brach zur vollen Blüte aus und der halbe Hund war bald kahl. Die Tierärzte versuchten es für viele hundert Euro mit den verschiedensten Mitteln, u.a. eben Ivomec und auch Immunaufbauspritzen.

Was letztendlich half, war ein Tipp unseres Tierarztes: Sebacil. Sebacil kommt aus der Schweinemast und ist stark wirksam gegen Parasiten auf und in der Haut. Es werden nur 10ml Sebacil auf 10 Liter Wasser benötigt. Der Hund wird mit der Lösung gebadet und danach nicht abgetrocknet. Die Lösung muss einziehen. Einen Liter davon bewahrt man auf und betupft dann täglich die betroffenen Hautstellen. Nach spätestens zwei Wochen ist alles überstanden und die Haut kann beginnen sich zu erholen und neues Haar kann wachsen.

Allerdings auch hier parallel auf einen Immunaufbau setzen und etwaigen Stress für das Tier reduzieren. Ansonsten kann es natürlich schnell zu einem Rückfall kommen, ist ja das Immunsystem der Wächter dieses Parasiten.

 

Monja Balzer


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