Impfungen und Parasiten

 

Die Erkenntnisse zu Impfungen beim Hund, haben in den letzten Jahren eine massive Entwicklung durchgemacht. War vor wenigen Jahren das jährliche Nachimpfen für jeden verantwortungsbewussten Tierhalter Pflicht, so sieht das heute ganz anders aus. Diverse Langzeitstudien haben gezeigt, dass eine wirkungsvolle Grundimmunisierung den Hund sehr wahrscheinlich sein Leben lang schützt und wir Tierhalter übernehmen endlich auch selbst Verantwortung und hinterfragen auch mal die Dinge, die uns von Tierärzten, Wissenschaftlern oder Pharmaindustrie als einzig richtig angepriesen werden. So ist es mit Sicherheit nur vernünftig, seinem Hund so wenig Chemie wie möglich und nur so viel wie nötig zu verabreichen. Und hier spielen Impfungen und Entwurmungen eine große Rolle.

 

Was passiert bei einer Impfung?

Man unterscheidet bei Impfungen zwischen einer passiven und einer aktiven Impfung.

 

Bei der passiven Impfung werden direkt Antikörper gegen den Erreger gespritzt, was eine schnellere Immunreaktion bewirkt, jedoch meist einen kürzen Schutz von nur einigen Monaten hat.

 

Bei der aktiven Impfungen spritzt man lebende, inaktivierte Erreger oder nur Teile von Erregern. Hier wird das Immunsystem zur Reaktion und Bildung von Antikörpern angeregt. Bei der aktiven Impfung ist eine Grundimmunisierung, also mehrere Impfungen, notwendig um den vollen Schutz zu erhalten. Dafür erhält man mit dieser Art der Impfung dann einen jahrelangen oder sogar lebenslangen Schutz. Die Standardimpfungen für Hunde sind alle aktive Impfungen.

 

Wogegen impft man?

 

Staupe

Die Staupe war eine der häufigsten Viruserkrankungen beim Hund. Sie befällt auch andere Tiere wie Robben, Marder oder Füchse. Etwa 5-6 Tage nach der Ansteckung zeigt der Hund Erkältungssymptome. Er hat gerötete, tränende Augen, Nasenausfluss, ist  allgemein lustlos und schlapp und hat keinen Appetit. Er wird hohes Fieber bekommen und man sollte bei solchen Symptomen immer sofort den Arzt aufsuchen. Sämtliche Körperflüssigkeiten, also auch der Nasen- und Augenausfluss, sind hochgradig ansteckend.

Die Staupeviren befallen verschiedene Organe bzw Bereiche im Verlauf der Krankheit. Oft scheint sich der Hund kurz zu erholen und erkrankt dann plötzlich wieder.

Drei Formen der Staupe gibt es, die aber auch miteinander vermischt auftreten können.

Bei der Darmstaupe hat der Hund unstillbare, wässrige, blutige Durchfälle und leidet an starkem Erbrechen.

Bei der Lungenstaupe hat er Husten, Schnupfen, Atembeschwerden und bekommt eine Lungenentzündung.

Und die gefürchtetste Variante ist die Nervenstaupe. Hier befällt das Virus das komplette Nervensystem und Gehirn. Der Hund wird verschiedene Ausfälle und Krämpfe haben, wird u.U. auch bewusstlos und das Gehirn wird stark geschädigt. Die meisten Hunde mit dieser Form der Staupe sterben daran.

Gesundete Tiere behalten häufig lebenslange Schäden zurück.

 

Parvovirose

Nachdem die Staupe lange Zeit als häufigste Viruserkrankung bei Hunden galt, wurde sie in den 70ern von der Parvovirose abgelöst. Die Ansteckung erfolgt auch hier über Körperflüssigkeiten, jedoch ist das Virus auch über die Kleidung, Schuhe, Decken und andere Gegenstände noch monatelang übertragbar. Erkrankte Tiere scheiden das Virus über Speichel und Kot aus und übertragen es mit dem Fell nach dem Belecken an alle anderen Orte.

Auch hier leiden die Hunde an starkem Erbrechen und unstillbaren wässrig-blutigen Durchfällen. Viele Hunde gehen an dem starken Flüssigkeitsverlust zu Grunde. Hohes Fieber, Appetitlosigkeit und Lustlosigkeit gehören zu den ersten Symptomen. Manchmal kommt es zu einer Herzmuskelentzündung, noch bevor die Durchfälle eintreten und der Hund stirbt unerwartet an einem plötzlichen Herztod.

 

Hepatitis Contagiosa Canis (HCC)

Durch das Canine-Adenovirus-1 wird eine Leberentzündung hervorgerufen. Die Tiere haben Fieber, Erbrechen, Durchfall und Gelbsucht. Sie zeigen eine starke Berührungsempfindlichkeit unter dem Rippenbogen und zeigen einen, durch die Schmerzen,  aufgekrümmten Rücken. Bei älteren Hunden kann eine Behandlung erfolgreich sein, jedoch drohen Spätfolgen durch die stark geschädigte Leber. Welpen versterben meist innerhalb weniger Stunden an der Infektion. Sämtliche Körperausscheidungen der infizierten Hunde sind ansteckend.

 

Tollwut

Durch den Biss eines infizierten Tieres übertragen, wandern die Tollwut-Viren über die Nervenbahnen und das Rückenmark ins Gehirn. Es kommt zu verschiedenen Symptomen und vor allem einer Wesenveränderung, meist einer Aggressivität oder auch Depressionen. Das Virus wandert weiter in die Speicheldrüsen und wird dort dann weiter übertragen. Typisch für das Bild des tollwutinfizierten Hundes ist ein starkes Speicheln oder auch Schaum vor dem Mund. Für die meisten Tiere endet eine Infektion tödlich.

 

Wie oft soll man impfen?

Langzeitstudien haben bewiesen, dass eine einmal durchgeführte und erfolgreiche Grundimmunisierung den Hund mindestens 7 Jahre, wahrscheinlich jedoch sein Leben lang schützt. Dies gilt für Staupe, Parvovirose und Hepatits. Wir empfehlen unseren Welpenadoptanten immer, nach einem Jahr noch einmal nachzuimpfen. Es gibt immer mal sogenannte „Impfversager“ und die fängt man damit gut auf. Etwa ein halbes Jahr nach der Nachimpfung würde ich dann Blut abnehmen lassen um die Titer zu bestimmen. Sind die Werte ausreichend hoch, braucht für gewöhnlich nicht mehr nachgeimpft werden. Da aber mit den Krankheiten an sich wirklich nicht zu spaßen ist, würde ich immer empfehlen alle drei Jahre noch einmal die Titer bestimmen zu lassen, damit man wirklich immer sicher sein kann, dass ein ausreichender Schutz da ist.

Fährt man allerdings mit dem Hund ins Ausland, dann sind aktuelle und regelmäßige Impfungen sehr wahrscheinlich Grundbedingung für die Einreise.

 

Was den lebenslangen Schutz angeht, verhält es sich bei Tollwut etwas anders. Zwar gilt die Tollwut in Deutschland als ausgerottet, aber dies auch nur, weil so konsequent geimpft wurde. Und wir sollten es auch weiterhin tun. Und zwar aus zwei Gründen. 1. Werden durch Welpenimporte aus Vermehrerstationen immer mal wieder Tollwutfälle nach Deutschland eingeführt und nur die konsequente Impfung schützt unsere Tiere. Und 2. Besteht bei einem Hund ein Verdacht auf Tollwut, aufgrund einer Verhaltensauffälligkeit etc, und er hat keinen ausreichenden Impfschutz, dann kann er auf Verlangen des Amtsveterinärs sofort eingeschläfert werden.

Tollwutimpfstoffe sind freigegeben mit einer maximalen Wirksamkeit von drei Jahren. Der Hund sollte auch immer so einen dreijährigen Impfschutz bekommen. Fragt da gezielt beim Arzt nach.

 

Leptospirose

Ein Sonderfall bei den Impfungen ist die Leptospirose, eine bakterielle Infektion. Es gibt zwar Impfungen, die gegen zwei oder bis zu vier Arten der Leptospiren wirken, jedoch ist ein wirklicher Schutz schwer zu erreichen. Es gibt über 100 verschieden Arten der Leptospiren. In Deutschland kommen davon hauptsächlich 10 Arten vor. Übertragen werden sie vorwiegen durch Mäuse- und Rattenurin. Im Wasser sind die Bakterien über sehr lange Zeit ansteckend, nur in trockener Umgebung sterben sie schnell ab. Eine Ansteckungsgefahr haben wir vor allem in Gewässern und Pfützen.

Der Erreger ist so schmal, dass er zwischen den Zellen der Schleimhäute in den Körper eindringt. Aber auch durch verletzte Haut kann er einen Hund befallen. Gefährdet ist jedoch auch der Mensch. Bei der Leptospirose handelt es sich um eine Zoonose. Sie sind z.B. der Grund, weswegen man bei der Gartenarbeit immer Handschuhe tragen sollte, wenn man in der Erde buddelt.

Eine Infektion zeigt sich durch verschiedenen Symptome wie mangelndem Appetit, Mattigkeit, Fieber, Durchfälle, Anämie. Die Leptospiren können Darm, Leber und auch Nieren befallen und sie stark schädigen. Spätfolgen sind möglich bis hin zu komplettem Nierenversagen und damit dem Tod des Tieres.

Eine Behandlung erfolgt über Antibiotika und früh entdeckt, überstehen etwa 50% der infizierten Tiere diese Krankheit. Hoffentlich ohne Folgen, wenn Darm, Leber und Nieren noch nicht befallen sind. Junge Hunde hingegen haben oftmals leider keine Heilungschancen.

 

 

Entwurmung

Auch bei diesem Thema gehen die Meinungen in den letzten Jahren immer weiter auseinander. Da gibt es den Teil der Hundehalter, die alle drei Monate Entwurmen und den Teil, der auf die Natur setzt. Beides kann richtig sein. Vorweg ist wichtig zu sagen, dass eine Entwurmung NIEMALS vorbeugend hilft! Wird ein Entwurmungsmittel gegeben, hilft es nur gegen die Würmer, die aktuell da sind! Schon übermorgen könnte sich der Hund auf der Hundewiese neue Würmer einfangen, wenn er z.B. an infiziertem Kot schnuppert.

 

Wurmbefallene Welpen fallen oft durch einen dicken, runden Bauch auf. In der Gesamterscheinung wirken sie, trotz des dicken Bauches, mager. Ein starker, lang anhaltender Wurmbefall kann durch die Mangelversorgung auch Organe wie die Leber schädigen. Durch Erbrechen und anhaltende Durchfälle kann der Hund stark ausgezehrt werden und vor allem Welpen versterben dann oft.

Wir empfehlen immer alle 3-6 Monate eine Kotprobe beim Tierarzt abzugeben und dann gezielt zu behandeln, wenn Würmer vorhanden sind.

Mit Würmern anstecken kann der Hund sich im Prinzip überall. Das hat absolut nichts mit den Hygienezuständen im Zuhause zu tun. Auf der Hundewiese, bei der Begrüßung anderer Hunde, beim Schnuppern an fremden Kot. An den verschiedensten Stellen könnte er Wurmeier aufnehmen und so befallen werden.

 

Zu Giardien und der Demodexmilbe gibt es links jeweils eine Extraseite.


Monja Balzer

 

 


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