Ernährung

Wohl kaum ein Thema verfügt unter Hundehaltern über so viel streitbares Potential wie die Fütterung unserer Vierbeiner. Da gibt es die BARF-Fraktion, die Trockenfutter-Freunde und die Dosen-Fans. So gut ich persönlich BARF auch finde, so sehr nervt es mich, dass sich gerade bei diesem Thema so viele Menschen immer zu wahren Missionaren berufen fühlen und mittels Schuldgefühlen, Vorwürfen und Behauptungen mit Anspruch auf Allgemeingültigkeit, andere Menschen von dieser für sie einzig wahren und echt tierlieben, gesunden und doch so wölfisch dem Hund entsprechenden Ernährungsweise zu überzeugen versuchen.

Es nervt!

Anders kann ich’s nicht sagen!

 

Ich bin zutiefst davon überzeugt, dass es die einzig wahre und für jeden Hund universell beste Ernährungsweise nicht gibt! Es gibt sie einfach nicht! Hunde haben alle ihre individuellen Bedürfnisse genauso wie wir Menschen auch. Ihr Verdauungssystem ist komplex und die möglichen Problemstellen eben auch. Da gibt es die, die keine tierischen Eiweiße vertragen (Ja, die gibt es!) und die, die kein Getreide vertragen. Die, die von frischem Futter kotzen und die, die bei Trockenfutter Durchfall bekommen. Alles ist denkbar und ich denke, die Lösung und die Wahrheit liegt hierin: finde das richtige Futter für DEINEN Hund! Da gibt es z.B. den hochgradigen Allergiker, der nichts (Nein, noch nicht einmal BARF!) verträgt, außer einem Fertigfutter, welches zu 50% (die BARFer schreien auf!) aus Schlachtabfällen und zu 50% aus Flocken und verschiedenen Zusatzstoffen besteht. Skuril, aber wahr!

 

Finde einfach ein Futter mit dem es Deinem Hund gut geht, durch welches er alle notwendigen Nährstoffe erhält und an dessen Verspeisen er große Freude hat. Und das kann aus der Dose kommen, aus deinem Kochtopf, aus dem Trockenfutterregal oder eben vom BARF-Lieferanten.

 

Lass Dich von der militanten Riege der BARF-Fraktion nicht als Tierquäler abstempeln, nur weil Du Deinen Hund ja mit Dosen- oder Trockenfutter offensichtlich zu Tode quälen willst. Und lass Dir den Kopf nicht von Gruppen oder Foren kaputt reden, wenn Dein Hund mit dem von Dir gewählten Futter gesund, agil, fröhlich und glücklich ist!

 

In unserer Zucht sind wir z.B. Fans von Trockenfutter. Es ist einfach, schnell verfügbar, individuell dosierbar ohne Reste zu behalten und man kann es herrlich überall mit hinnehmen. Bei 5 Hunden mit mitunter unterschiedlichen Bedürfnissen (der eine alt, der andere grad erkältet, die nächste trächtig) brauchen wir ein Futter welches als Basis von allen vertragen wird und welches leicht auf die jeweiligen Bedürfnisse anpassbar ist. Ja, BARF wäre das natürlich auch. Aber wir haben uns halt für Trockenfutter entschieden. Beginn und Ende der Rechtfertigung. ;-)

Und dennoch wird es ihnen nicht stur nach dem Motto „Friss oder stirb“ vorgesetzt. Isabeau z.B. hat eine Vorliebe für Dose. Also bekommt sie Dose. Es gibt halt immer die Ausnahmen, die die Regel bestätigen. ;-)

 

Und solltet Ihr fragen, worauf Ihr denn achten sollt, bei der Futterwahl, dann ist die Antwort wieder unglaublich einfach: darauf, dass es Euer Hund verträgt und mag. Ganz ehrlich, lest Euch mal ein wenig durch das Internet. Bei artgerecht-tier.de findet Ihr wichtige Infos rund um die Ernährung.

 

Bildet Euch eine eigene Meinung! Ihr seid mündige Bürger und tragt die Verantwortung für die Ernährung Eures Hundes! Also trefft eine eigene Entscheidung aufgrund Eures Wissensstandes oder Empfehlungen von vertrauenswürdigen Personen oder oder oder. Ich glaube, klar wird Euch allen werden: so natürlich wie möglich und ohne Chemie. Und ab da steht Euch ein bunter Strauß an Möglichkeiten zur Verfügung.



 

Nun noch mal etwas mehr. Ich bin jedoch mit Sicherheit kein Ernährungsberater für Hunde. Mein Wissen ist angelesen. Könnte also jeder von Euch genauso und noch besser machen. Dennoch ist es ja ganz schön, eine Art Meinungsaustausch zu haben um sich seine eigene Meinung zu bilden.

Wenn es also um die Ernährung unserer Bullys geht, gibt es generell 4 Möglichkeiten:


  • Dosenfutter
  • Trockenfutter
  • Selbst gekochtes
  • BARF

 

Hier gilt es nun die Variante zu finden, mit der die Zweibeiner gut zurecht kommen und der Hund glücklich, zufrieden und vor allem gesund ist.

 

Eindeutig wissenschaftlich widerlegt ist seit 2013 die Behauptung, die Verdauung der Hunde hätte sich über die Jahre der Domestizierung nicht verändert. Immer wieder und felsenfest wird gesagt, das Verdauungssystem würde noch immer dem eines Wolfes entsprechen, weswegen der Hund genau wie ein Wolf ernährt werden muss. Das ist schlichtweg Unsinn! Der Genforscher Erik Axelsson hat in der Universität Uppsala die Gene der Hunde und Wölfe verglichen um herauszufinden, welche Gene für die Domestizierung wichtig waren.

 

Hierbei fanden sich u.a. beim Hund 30 Kopien des für Amylase verantwortlichen Gens. Amylase ist das Protein, welches im Verdauungstrakt die Stärke aufspaltet. Der Wolf besitzt nur zwei. Eine Variante eines Gens, welches für den weiteren Abbau der Stärke zuständig ist, fanden die Wissenschaftler so ausschließlich beim Hund.

 

Und mal ganz logisch nachgedacht: jedes Lebewesen passt sich über die Jahre der Evolution immer besser an seine Umgebungs- und Lebensbedingungen an. Dies ist ein stetig fortschreitender Prozess von Trial & Fail. Es werden Anpassungen vorgenommen und geguckt (um es mal ganz simpel auszudrücken) wie man damit zurecht kommt. Doof? Dann stirbt das Gen wieder aus. Supi, dann bleibt es bestehen. Ganz einfach. Und wieso glauben manche noch immer, dass ausgerechnet das Verdauungssystem des Hundes sich über die Jahrtausende nicht an seine sich verändernde Nahrung angepasst hätte. Natürlich bekam der Hund keines der Hauskaninchen, die die Familie ernährten, sondern eher Tischreste oder das, was auch die Schweine bekamen. Er war zum Überleben darauf angewiesen sich den Ernährungsbedingungen anzupassen.

 

Das heißt nun nicht zwangsläufig, dass Hunde Stärke, also Getreide, in ihrer Nahrung benötigen. Ich glaube nicht, dass dies nötig ist. Aber sie können sie gut verwerten und ihren Nutzen daraus ziehen. DAS ist der Unterschied.

 

Also weg vom, der Hund ist ein Wolf! Er ist es nicht mehr. In keinerlei Hinsicht! Wir sind schließlich auch keine Bonobos! Und wer mir hier nicht vertraut, der Frage bitte Frau Dr. Dorit Feddersen-Petersen! Ich denke, es gibt nur wenige Menschen, die es fachlich wagen dürfen, ihr zu widersprechen.

 

Einig sind wir uns alle, so denke ich, wenn es um Konservierungsstoffe, Lockstoffe und ähnliches geht. Auch, dass es nicht sonderlich natürlich und gesund sein kann, wenn Schlachtabfälle zu Mehlen verarbeitet werden, die dann (im günstigsten Fall) Hauptbestandteil des Futters sind.

 

Ein Futter kann auch nicht sonderlich gesund sein, wenn auf der Zutatenliste an erster Stelle Weizen, Mais, o.ä. steht. Das sind einfach nur günstige Zutaten für den Hersteller. Aber einen wirklichen Nutzen, haben sie für den Hund nicht. Auch wenn wir grad gelernt haben, dass er sie verwerten kann… toll finde ich sie trotzdem nicht.

 

Anführen sollten die Liste immer Fleisch und Innereien. Und zwar nicht als Mehl. Jeder Schritt der industriellen Bearbeitung ist einer weiter weg von der Natürlichkeit und damit auch von einer entsprechend guten Verwertung für den Hund. Jeder Schritt industrielle Bearbeitung bedingt eine weitere Zutat, einen weiteren Hilfsstoff um diese Bearbeitung wieder auszugleichen und Nährstoffe wieder zuzuführen oder die Verdaulichkeit wieder zu erhöhen.

Dementsprechend  ist ein auch gutes Dosenfutter dem Trockenfutter vorzuziehen. Wenn es auch sehr gute Trockenfutter gibt. Nur die muss man auch erst einmal finden, dann muss der Hund sie mögen und vertragen…

 

Ich glaube, die Variante Futter selbst zu kochen, lasse ich mal komplett außen vor. Ich finde es zutiefst unnatürlich dem Hund gekochtes vorzusetzen. Das ist aber nur ein Gefühl. Und es gibt sicherlich Hunde, die aus gesundheitlichen Gründen Gekochtes besser vertragen, als Rohes.  Und Gekochtes ist dem durchschnittlichen Supermarktfutter wahrscheinlich vorzuziehen. Dennoch hier bitte selbst informieren.

 

Ein gutes Dosenfutter enthält in erster Linie frisches Muskelfleisch und Innereien. Danach dann Gemüse, Obst, Kräuter und hochwertige Öle. Quasi ein Barf in Dose haltbar gemacht. Hier gibt es verschiedene bereits sehr gute Anbieter, wie z.B. Terra Canis, Lunderland, Paneon und viele mehr.

 

Trockenfutter ist eine praktische Variante der Fütterung. Perfekt dosierbar, flexibel veränderbar, überall mit hin zu nehmen, Reste sind unproblematisch, kann man gleich als Leckerlie in der Hosentasche mitnehmen und und und. Trotz allem, was ich bisher gesagt habe, bin ich ein Fan vom Trockenfutter und dankbar, dass unsere es mögen, super vertragen und gesund damit sind. Auch hier ist es wichtig darauf zu achten, dass Fleisch und Innereien an erster Stelle stehen. Dass keine Nebenerzeugnisse verwendet werden und keinerlei künstliche Zusatzstoffe enthalten sind. Die Zutatenliste sollte eine möglichst natürliche sein, die so ausschaut und klingt, als könne man es auch selber essen.

Dennoch schlägt mein Herz im Geheimen immer für BARF. Nur ich bin nicht für die Fütterung verantwortlich, da tagsüber nicht Zuhause und so trägt Herrchen hier die Entscheidungsgewalt.

 

Aber er weiß es und ich sage es ganz klar: für ideal halte ich gut gemachtes BARF. Und die Betonung liegt hier ganz klar auf GUT GEMACHT!!! Mit keiner Ernährungsweise kann man seinen Hund so zuverlässig kaputt bis tod füttern, wie mit BARF! Darüber sollte sich jeder, der zu barfen plant, im Klaren sein. Man trägt die Verantwortung für sämtliche Nährstoffzufuhr komplett eigenverantwortlich und sollte sich genau belesen. Welche Vitamine im Mangel führen zu welchen Problemen. Welche Nährstoffe im Überangebot führen zu welchen Problemen. Welche Fettsäuren in welchem Verhältnis. Worin finde ich welches Vitamin in für den Hund am besten verwertbarer Form und so weiter und so fort. Man muss zum Ernährungspezialisten für seinen Hund werden. DANN ist es ideal. DANN ist Barf eine tolle Ernährungsform, die dem Hund wirklich gut tun kann. Stimmt aber z.B. einfach nur das Phosphor-Calcium-Verhältnis nicht, füttern wir dem Hund supertolle Gelenkprobleme und –verkalkungen an. Also Obacht! Ich glaube, dass Barf für die meisten Hunde die Lösung vieler Probleme darstellen kann. Aber ich glaube auch, dass viele barfende Hundehalter diese Ernährungsweise zu sehr auf die leichte Schulter nehmen und sich zu wenig damit auseinander setzen. Die Verlockung ist ja auch groß, sagen zu können, man barfe den Hund und kauft jedoch nur Fertigbarf. Das hat, meiner Ansicht nach, mit barfen nichts zu tun, sondern ist nichts weiteres, als besseres Dosen- oder Trockenfutter. Beim Barf geht es ja gerade darum, dass man seinem Hund abwechslungsreiche, natürliche Kost bietet. Man kann alle Inhaltsstoffe ganz nach Bedarf des Hundes anpassen, was aber auch voraussetzt, dass man ihn immer gut im Blick und ein gutes Gefühl für seine Bedürfnisse hat. Hat man sich im Selbststudium oder in Lehrgängen aber das notwendige Wissen angeeignet, ist Barf eine großartige Ernährungsform, die Hund und Herrchen gleichermaßen Spaß machen kann. Es ist eine wahre Freude zu sehen, wie wieviel Spaß die Tiere essen und wie gut es ihnen damit geht.

 

Monja Balzer


P.S. Hier geht es übrigens zu einem Artikel über die revolutionäre und doch so altbekannte und seit langem bewährte ABAM-Methode, welche auch wir seit Jahren erfolgreich in der Hundeernährung umsetzen!

 


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