Soll es ein Bullywelpe sein?

Die Vorstellung sich einen kleinen Hund anzuschaffen ist ja meist eine schöne. Da gucken einen die kleinen Knopfaugen an, der lütte Popo wackelt freudig und sie sind ja sooo niedlich. Den ganzen Tag könnte man mit ihm spielen und schmusen. Wie schön doch bestimmt ein Leben mit Welpen ist…

 

Ja, ist es… meistens… oft… neben der romantischen Vorstellung vom kuschligen Welpen gibt es aber noch mehr, was man sich vorstellen sollte.

Zum Beispiel, wenn der Welpe es nicht schafft rechtzeitig Bescheid zu geben, weil er durch Spielen abgelenkt war. Und prompt setzt er einen womöglich auch noch matschigen Haufen auf den schönen Hochflorteppich. Oder er wacht nach einem Nickerchen auf dem Sofa auf und muss so dringend, dass er gleich an Ort und Stelle auf dem Sofa piescht. Den ganzen Tag läuft man hinter dem süßen Zwerg her und sortiert Kleinteile aus seinem Maul. Und neue Geräusche werden wahrscheinlich erstmal ordentlich angebellt. Dann waren da noch Frauchens flatternde Hosenbeine… hervorragend kann man daran ziehen und Frauchen quietscht dann immer so lustig. Finger und Hände eignen sich auch super zur Jagd und man kann gerade in Finger toll mit seinen kleinen nadelspitzen Beisserchen hineinschnappen und erntet schon wieder Frauchens quietschen. Spaß machts auch, mit Frauchen auf dem Sofa zu sitzen und zu versuchen ihr immer wieder, wie ein kleines Krokodil, nach der Nase zu schnappen. Ooooh dann lag doch auf dem Tisch auch noch der Brief. Der wird flugs heruntergeangelt und in feinste Konfetti zerlegt. Danach holt man sich aus dem Regal ein Buch… da hat man dann etwas länger mit zu tun. Die Topfpflanzen könnten auch mal wieder neue Erde vertragen und Baby macht sich schon mal nützlich, indem es die Erde aus den Blumentöpfen räumt. Wenn einem langweilig ist, ist es auch praktisch, dass das Körbchen so nah am Schrank steht. Da kann man klasse ganz faul im Liegen die Beine vom Schrank anknabbern. Sogar an den Knauf der untersten Schublade kommt man ran.  Und wenn der Zwerg erst einmal entdeckt hat, dass aus der Naht des Bettchens ein Faden heraushängt, dann fliegen auch schon bald die ersten Polsterungswattebäusche durch das Wohnzimmer.

 

Ja, das Leben mit Hund ist schön. Aber zu Anfang ist es in aller erster Linie anstrengend. Und da sollte sich niemand Illusionen machen. Mit einem Welpen holt man sich ein 2 jähriges Kleinkind mit Allradantrieb und gut funktionierendem Allesschredder ins Haus. Es gibt zwar auch die grandiosen Ausnahmen, die sich von Anfang an toll benehmen… aber davon sollte man lieber nicht ausgehen. Wenn man dann doch positiv überrascht wird, super! Aber gehen wir doch mal vom schlimmsten aller Fälle aus und überprüfen, ob wir damit klar kommen. Wenn wir ganz sicher wissen, dass wir die Geduld und Zeit haben, alle Stunde (auch Nachts wahrscheinlich mehrmals) mit dem Zwerg bei Wind und Wetter oder Sturm und eisigem Regen rauszugehen, das Stromkabel zum 372. Mal zu verstecken, die Pipiflecken aus dem Teppich zu waschen, uns von den angenagten Schuhen zu verabschieden und angekaute Tischbeine zu kaschieren wissen, dann können wir ernsthaft mit dem Gedanken spielen, einen Welpen zu holen.

 

Macht Euch bewusst, dass Ihr Euch ein kleines Wesen ins Haus holt, welches über die nächsten 12-15 Jahre geistig und körperlich von Euch abhängig ist. Ihr tragt die Verantwortung für sein Wohl ganz alleine!

Und gerade Bullys sind da extrem. Sie binden sich so wahnsinnig an den Menschen… im besten Falle habt Ihr für 15 Jahre ein hoffentlich wohl erzogenes 2jähriges Kleinkind im Haus. Denn über dieses Stadium wird ein Bully im Normalfall nicht hinauskommen. Er wird viel Unsinn im Kopf haben, alles entdecken wollen und immer an Eurem Rockzipfel hängen und von Euch Aufmerksamkeit und Zuneigung erwarten. Eine so extreme Abhängigkeit muss man mögen und wünschen. Aber für alle, für die eine sehr enge Bindung mit dem Hund ein Traum ist, ist der Bully ideal. Und die mitunter stressige Anfangszeit haben bisher noch alle unsere Welpeneltern glücklich hinter sich gebracht und wurden mit einem bezaubernden Bully belohnt.

 

Wenn Ihr jedoch allein seid und jeden Tag 8 Stunden arbeiten müsst oder wenn Ihr und Euer Partner beide Vollzeit arbeitet und der Hund den Tag alleine Zuhause auf Euch warten müsste, dann eine große Bitte an Euch: seht bitte von der Anschaffung eines Hundes ab. Bitte stellt Eure eigenen Wünsche zurück und denkt an das Wohl des Tieres. Ihr werdet so keinem Hund gerecht werden können. Es gibt keine Rasse, die langfristig psychisch und auch physisch damit klar kommt jeden Tag 8 oder mehr Stunden allein zu sein. Ihr werdet das Tier weder körperlich noch geistig auslasten können und Probleme sind vorprogrammiert.

Und selbst, wenn der Hund keine Verhaltensauffälligkeiten entwickelt, es ist eine Tatsache, dass er psychisch unter der Situation leiden wird. Manchmal im Leben kann man sich einen großen Traum halt nicht erfüllen. Nicht weil es finanziell nicht ginge oder weil man nicht genügend Liebe dafür hätte, sondern eben gerade aus Liebe zum Tier und weil man sich verantwortungsvoll darüber klar ist, dass man dem Tier nicht gerecht werden kann.

Und dies muss ja keine lebenslange Entscheidung sein. Ziel kann es ja sein, sein Leben so einzurichten, dass es für einen Hund passt und man sich seinen Traum erfüllen kann.

Und speziell bezogen auf unsere Französische Bulldogge: der Bully ist am aller wenigsten dafür geeignet, den Tag alleine Zuhause zu verbringen. Ein Bully geht mit seinem Menschen eine derart intensive psychische Bindung ein, dass jede Trennung vom Menschen für ihn eine Qual ist. Und das ist wirklich wortwörtlich zu nehmen und nicht übertrieben. Klar kann ein Bully lernen allein zu bleiben und die meisten schaffen das auch ganz wunderbar über 2 vielleicht 3 Stunden. Aber dennoch ist das ein Zustand, der einem Bully immer psychischen Stress bereiten wird. Die meisten Bullybesitzer wissen ganze Listen aufzuzählen, von den Dingen, die der Bully während des Alleinseins zerstört hat. Denn die meisten Bullys suchen sich ein Ventil indem Sie etwas kaputt machen. Sei es ein Möbelstück, Blumen oder was auch gerade in Reichweite ist. Und das ist nur Ausdruck ihres psychischen Druckes, den das Alleinsein ihnen bereitet. Also hier auch die große Bitte: muss der Hund jeden Tag mehrere Stunden allein sein, bitte entscheidet Euch für eine andere Rasse. Der Bully will immer und in jeder Situation an Eurer Seite sein!

 

Fragen die Ihr Euch also vor der Anschaffung eines Bullys, oder vielmehr eines Hundes generell, stellen solltet:

 

Seid Ihr bereit und in der Lage die Verantwortung für ein Tier, für die nächsten 15 oder vielleicht sogar mehr Jahre zu tragen? Würdet Ihr für das Tier Eure eigenen Bedürfnisse zurück stellen und auch Kompromisse eingehen?

 

Könnt Ihr die Betreuung Eures Tieres bei Eurer Abwesenheit sicher stellen? Wer nimmt den Hund auf? Wer übernimmt die Urlaubsbetreuung, wenn der Hund nicht mit kann?

 

Habt Ihr einen Notfallplan, falls Ihr einen Unfall habt oder sich Eure Lebenssituation so ändert, dass Ihr den Hund vielleicht sogar nicht mehr halten könnt?

 

Sind alle Familienmitglieder einverstanden? Haben alle den Wunsch einen Hund in die Familie aufzunehmen und unterstützen Euch?

 

Habt Ihr die finanziellen Mittel um Eurem Hund hochwertige und artgerechte Nahrung zukommen zu lassen? Seid Ihr bereit eventuell eine strenge Diät mit ihm einzuhalten, sollte er Allergien haben oder krank werden?

Verfügt Ihr  über die finanziellen Mittel um den Hund bei Krankheit oder Unfall eine angemessene tierärztliche Betreuung zukommen zu lassen?

 

Wenn Ihr in einem Mietobjekt wohnt: Habt Ihr die schriftliche Erlaubnis vom Vermieter? Was sagen Eure Nachbarn zu einem Hund? Der Vermieter kann bei Beschwerden sein Einverständnis jederzeit zurück ziehen. Seid Ihr bereit in so einem Fall für Euren Hund umzuziehen?

 

Werdet Ihr konsequent, auch im Winter bei Schneesturm, mindestens 3x täglich mit dem Hund Gassi gehen können? Bringt Ihr für die Gassigänge jeden Tag insgesamt mindestens 2 Stunden auf?

 

Seid Ihr in der Lage, die Zeit bis zur Stubenreinheit, die Missgeschicke Eures Hundes, ohne ihn zu schimpfen, zu entfernen? Seid Ihr Euch darüber klar, dass diese Missgeschicke unter Umständen auch auf Eurem Sofa oder Teppich passieren könnten? Es kann mehrere Monate dauern, bis der Hund wirklich stubenrein ist. Kommt Ihr damit zurecht?

 

Seid Ihr motiviert den Hund zumindest grundlegend zu erziehen? Möchtet Ihr eine Hundeschule mit ihm besuchen und habt Ihr die finanziellen Mittel dafür?

 

Werdet Ihr mit Hundehaaren auf Eurer Couch, auf dem Fussboden, auf dem Teppich, auf dem Tisch, auf Eurer Kleidung, eventuell sogar in Eurem Essen, klar kommen? Ein Hund trägt eine Menge Dreck ins Haus. Ist der Mehraufwand zur Wohnungsreinigung für Euch ok?

 

Sollte Euer Tier einmal Parasiten (Würmer, Flöhe,…) haben, kommt Ihr damit zurecht oder ekelt es Euch?

 

Wenn Ihr einen Garten habt, könnt Ihr ihn ausbruchssicher einzäunen?

 

Wer betreut den Hund, wenn Ihr arbeiten müsst?

 

Könnt Ihr Euch für die Eingewöhnungszeit mindestens 2 Wochen Urlaub nehmen?

 

Speziell zum Bully: seid Ihr Euch über die gesundheitlichen Risiken der Rasse im Klaren? Habt Ihr Euch über alle rassetypischen Krankheiten informiert?

 

Seid Ihr Euch darüber im Klaren, dass Euer Züchter Euch nicht garantieren kann, dass der Bully eine gute Atmung haben wird? Seid Ihr bereit, den Hund im schlimmsten Falle auch operieren zu lassen?

 

Seid Ihr Euch darüber im Klaren, dass die Französische Bulldogge zu deformierten Wirbelsäulenkörpern neigt? Könnt Ihr den Hund betreuen, sollte er einen Bandscheibenvorfall haben und Physiotherapie benötigen? Was passiert, sollte der Hund sogar querschnittsgelähmt sein?

 

Wenn für den Bully eingeplant ist, dass er ab und an ein paar Stunden alleine bleibt und sich rausstellen sollte, dass er dies gar nicht kann (z.B. wegen anhaltendem Heulen und Bellen): habt Ihr eine alternative Lösung für ihn parat?

 

Ein Bully gehört nicht grade zu der Sorte Hund, die bedingungslos gehorsam sind. Eher sind sie das komplette Gegenteil. Mitunter können sie nervenaufreibend stur sein. Kommt Ihr damit zurecht? Euer Bully wird Eure Regeln immer wieder auf Gültigkeit überprüfen. Kommt Ihr auch damit zurecht?

 

Der Bully ist ein Begleithund. Früher fuhr er mit auf den Kutschen, dann war er lange Zeit eher der typische Rentnerhund. Heute ist er ein Modehund, beliebt vor allem bei jüngeren Erwachsenen. Die Anforderungen, die sie an den Bully stellen, entsprechen nicht mehr dem, wofür er einmal gezüchtet wurde. Sie führen ein aktives Leben und der Bully soll mit. Was ist aber, wenn Euer Bully dies aus gesundheitlichen Gründen nicht kann? Er war nie als Begleiter beim Joggen gedacht und die Zucht ist heute noch lange nicht so weit, dass er das zuverlässig könnte. Seid Ihr bereit Euch einzuschränken, wenn Euer Bully nicht mit Euch mithalten kann?

 

Alles in allem: Werdet Ihr ihn lieben und ehren und ihm die Treue halten, in guten, wie in schlechten Zeiten, bis dass der Tod Euch scheidet?

 

Monja Balzer


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